Ein äußerst schneller Nikolaus

Seit fast 20 Jahren besucht die Neusser Feuerwehr mit dem Nikolaus die Binnenschiffer.

yon Stephan Eppinger
Neuss. Schon richtig ungeduldig steht der Nikolaus auf dem Vorderdeck des Feuerlöschbootes „Alfons Frings", als dieses mitten auf dem Rhein an ein großes Tankschiff anlegt. „Das ist jedesmal ein tolles Erlebnis, wenn man die Binnenschiffer am 6. Dezember mit einem kleinen Geschenk überrascht', sagt Günter Benz, der seit sieben Jahren mit der Neusser Feuerwehr auf dem Rhein und im Hafen unterwegs ist, um Weckmänner an die Besatzungen der Schiffe zu verteilen. Die Rolle des heiligen Bischofs zu übernehmen, hat in seiner Familie schon lange Tradition: „Bereits mein Vater war als Nikolaus unterwegs. Und bei mir sind es auch schon fast 30 Jahre, in denen ich diese Aufgabe übernehme", sagt Benz, der normalerweise beim Düsseldorfer Landtag arbeitet und das Kostüm seines Vaters trägt.
Auf dem Schiff angekommen, erwarten den Nikolaus zwar keine Kinder aber ein ziemlich überraschter junger Niederländer: „So einen Besuch hatten wir noch nie an Bord", wundert sich Jasper Schottevaar, der gerade mit der „RP Wien" Diesel von Rotterdam in die Schweiz transportiert. Weihnachten feiert der 22-Jährige in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Schiff: „Wir arbeiten immer 14 Tage und haben dann wieder zwei Wochen frei. Dieses Mal fällt die Arbeitsphase leider direkt auf Weihnachten. Aber ich hoffe, dass an Bord trotzdem etwas Gutes auf den Tisch kommt', schmunzelt Schottevaar, während sein Besuch in wallendem roten Mantel bereits wieder zum Löschboot zurückeilt.
„Früher haben wir auf den Schiffen häufiger Kinder angetroffen. Aber heute im zunehmenden Konkurrenzkampf verschwinden immer mehr die Familienbetriebe bei den Rheinschiffern und werden durch große Betriebe ersetzt", sagt Benz, der nicht nur Weckmänner verschenkt, sondern sich auch Zeit nimmt, um die Sorgen der Seeleute anzuhören.
Zur Feuerwehr ist der 50-jährige Regierungsangestellte über seinen Vetter Matthias Brockers gekommen, der als Bootsführer hinter dem Steuer steht.
Den Besuch des Nikolaus an Bord der Rheinschiffe gibt es bereits seit der Inbetriebnahme der „Alfons Frings" 1987. „Wir hatten damals überlegt, dass ja viele Binnenschiffer aus den Niederlanden kommen. Und da hat der Nikolaustag fast einen höheren Stellenwert als Weihnachten. Außerdem ist der Heilige der Schutzpatron der Schifffahrt", erklärt Peter Schöpkens vom Leitungsdienst der Feuerwehr.
Und trotz der kinderlosen Rundfahrt durch den Hafen gibt es für den Nikolaus am Ende der Fahrt doch noch ein richtiges Happyend: An der Anlegestelle warten bereits mit Julian (3) und David (9 Monate) die beiden Enkel seines Vetters auf das Löschboot und die Weckmänner. Dabei wird nicht nur das prächtige Bischofskostüm bewundert: „Der Nikolaus ist aber verdammt schnell. Vor fünf Minuten war der noch bei uns im Kindergarten", freute sich Julian über das überraschende Wiedersehen.

STICHWORT
(step). Seit 1987 ist das Feuerlöschboot „Alfons Frings" bei der Neusser Feuerwehr im Einsatz. Zur Besatzung des 50 Stundenkilometer schnellen Schiffes gehören mindestens sechs Mann - darunter der Bootsführer und ein Maschinist. Das Einsatzgebiet umfasst neben dem Neusser Hafen den Rhein zwischen Stromkilometer 711(Bayer Dormagen) und 761 (Hafen Krefeld). Einsatzgebiete sind Brände auf Schiffen sowie im Uferbereich, die Bergung von Menschen aus dem Rhein sowie auslaufende Gefahrenstoffe wie Diesel oder Öl. Das Boot hat jährlich etwa 15 bis 20 Einsätze. Die Mannschaft ist bei der Feuerwache im Hammfeld stationiert. Das Boot verfügt über zwei Schaum-/Wasserwerfer, vier B-Anschlüsse für Schläuche, eine Berieselungsanlage zum Selbstschutz bei Explosionsgefahr, einen Lichtmast sowie 1000 Liter Schaummittel.

Das Weltjugendtagskreuz wurde mit dem Feuerlöschboot Alfons Frings der Stadt Neuss und einer Drehleiter in den Hafen und von dort aus in einer Prozession in das nahe gelegene Quirinus Münster transportiert. Die nächsten Tage wird es durch den Kreis Neuss geführt.